Stöbern im Antiquariat
Meistens muss man sie suchen, denn sie befinden sich so gut wie nie dort, wo sich normalerweise die sogenannte beste Lage für Geschäfte befindet. Also wird man sie wohl nicht in der Hauptpromenade der heimischen Fußgängerzone finden. Manchmal findet man sie sogar überhaupt nicht in den Fußgängerzonen sondern in irgendeiner kleinen Nebenverkehrsstraße. Die Rede ist von antiquarischen Buchhandlungen. Hier gibt es, wie der Name vielleicht vermuten lässt, keine neuen Bücher zu kaufen. In einer antiquarischen Buchhandlung findet man stattdessen ausschließlich alte Bücher, die es zum großen Teil im normalen Buchhandel gar nicht mehr zu kaufen gibt.
In antiquarischen Buchhandlungen findet man Bücher, die zum Teil über einhundert Jahre alt sind. Natürlich muss man für solche Schätze auch einen dementsprechenden Preis zahlen. Je nach Zustand des Buches kann dieser leicht im hohen dreistelligen oder sogar im vierstelligen Bereich liegen. Selbstverständlich bestimmt neben dem Zustand auch die Anzahl der überhaupt verfügbaren Exemplare eines Buches den Preis. Je seltener ein Buch ist, desto kostspieliger wird natürlich die Anschaffung desselben. Viele Menschen besuchen eine antiquarische Buchhandlung aber nicht um sich eines oder mehrere der dort erhältlichen Bücher zu kaufen, sondern nur um sich dort umzusehen. Etwas zu stöbern und die Atmosphäre dort zu genießen.
Ein Blättern in diesen alten Büchern kann manchmal wie eine Zeitreise sein. Vielleicht findet man ja ein Buch, welches im eigenen Geburtsjahr das erste Mal veröffentlicht wurde. Je älter man ist, desto interessanter ist das Ganze natürlich. Nimmt man sich zum Beispiel einen einfachen Roman zur Hand, der vor sechzig oder siebzig Jahren entstanden ist, so kann man anhand weniger Minuten der Lektüre erkennen, wie sich die Sprache in eben diesem Zeitraum verändert hat. Mancher Zeitgenosse wird hier wohl ziemlich überrascht sein. Denn es dürften in so einem alten Roman nicht gerade wenige Wörter auftauchen, die man heute gar nicht mehr kennt oder aber nur noch sehr selten verwendet.
Taucht ein Wort in den aktuellen Wörterbüchern nicht mehr auf, gilt es übrigens als ausgestorben. Irgendwann hat sich jemand sogar die Mühe gemacht und ein Lexikon mit genau diesen ausgestorbenen oder gerade aussterbenden Wörtern zu schreiben. Ob dieses Lexikon auch irgendwann einmal in einer antiquarischen Buchhandlung stehen wird, kann man heute natürlich nicht sagen. Man kann aber sicher davon ausgehen, dass der Autor dieses Lexikons wohl so einige Stunden in der einen oder anderen antiquarischen Buchhandlung damit zugebracht hat, sich durch etliche alte Bücher zu arbeiten.
Die wohl interessantesten Bücher, die man in antiquarischen Buchhandlungen finden kann, werden wohl alte Lexika oder alte Lehrbücher sein. Gerade wenn man ein Lexikon in der Hand hält, das mehr als achtzig Jahre auf dem Buckel hat, kann man sehr schön sehen, wie sich das Wissen der Menschen weiter entwickelt hat. Aber auch die Entwicklung der politischen Lage eines Landes kann man anhand der jeweils erschienenen Bücher und Schriften nachvollziehen. Am anschaulichsten ist dies sicher an der Zeit kurz vor und während der Diktatur der Nationalsozialisten zu sehen. Tauchten zu diesem Zeitpunkt die Ideologien dieser Diktatur noch in so gut wie allen aktuellen Sachbüchern und Lexika auf, so wurden sie nach dieser Zeit aus diesen verbannt.
Manchmal kann man in antiquarischen Buchhandlungen auch noch etwas anderes als Bücher finden. Die Rede ist von alten Postkarten. Diese sind bei Sammlern und auch bei normalen Leuten sehr begehrt. Denn sie machen sich nicht nur gut in diversen Sammlungen sondern erzählen auch noch kleine Geschichten. Eine Schwierigkeit, vor allem für jüngeren Menschen, gibt es allerdings beim Entziffern dieser Geschichten. Da die Postkarten teilweise auch schon sehr alt sind, ist die Schrift, mit der sie geschrieben wurden natürlich mit unserer heutigen Schrift nicht zu vergleichen. Man tut sich manchmal schon sehr schwer wenn man den Text entziffern will.
Maschinenbau
